Revolutioniert Mynd das Neuromarketing?

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Das US-amerikanische Unternehmen Neurofocus hat auf dem  75. Jahrestreffen der American Advertising Association sein neuestes Marktforschungstool namens Mynd vorgestellt. Ein portabler Helm für EEG-Messungen, der besonders einfach in der Anwendung sein soll. So können außerhalb des Labors Erkenntnisse über Aktivierungsmuster im menschlichen Gehirn gewonnen werden. Die Ergebnisse werden dann sofort an einen bluetooth-fähigen Empfänger übermittelt und mit einer speziellen Software interpretiert.

Ziel ist natürlich, die unbewussten Mechanismen offenzulegen, die einer Entscheidung für oder gegen ein Produkt zugrunde liegen. Der Vorteil ist, dass Konsumenten in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. Damit fallen Probleme weg, die durch die Laboratmosphäre zustande kommen: EEG-Messungen waren bislang mit einem großen Kabelsalat verbunden und konnten nur von geschultem Personal durchgeführt werden. FMRT-Messungen sind durch aufwändige Geräte und langwierige Auswertungen der Ergebnisse sehr teuer, aber vor allem unkomfortabel für die Probanden, die möglichst reglos in der „Röhre“ liegen müssen, um die Messergebnisse nicht zu verfälschen. Ob ein Proband in solch einer Kulisse die gleichen Entscheidungen trifft, als wenn er entspannt durch die Gänge des Supermarkts schlendert, ist fragwürdig.

Nun bietet Mynd die Möglichkeit, Konsumenten direkt am Ort des Geschehens, bzw. dort wo sie Werbung und Produktinformationen wahrnehmen, beispielsweise im Kino, im Einkaufszentrum oder zuhause, zu analysieren. Die Ergebnisse stehen direkt nach der Erhebung zur Verfügung und der Proband ist durch Mynd kaum beeinträchtigt.

Dr. A.K. Pradeep von Neurofocus zu seiner Entwicklung: Mynd ermöglicht es unseren Kunden, zu verstehen, wie Konsumenten Marken, Produkte, Verpackungen, Plakate und Anzeigen unterbewusst wahrnehmen – und das sogar in Echtzeit.

Nach dreijähriger Entwicklung soll das Gerät nun wissenschaftlichen Standards entsprechen und wird ab sofort an allen Neurofocus-Standorten eingesetzt.

Während die Ankündigung vielversprechend klingt, muss die Praxis nun zeigen, ob das neue Gerät trotz der geringen Anzahl an Sensoren stichhaltige Ergebnisse liefert oder nur einen weiten Raum für Interpretationen seitens der Forscher eröffnet.

Um solche Fälle zu vermeiden hatte die ARF vor einem Jahr das Neurostandards Collaboration Project ins Leben gerufen. Ziel ist die Qualitätskontrolle neurowissenschaftlicher Testverfahren in der Marktforschung. Leider haben sich die beiden führenden Neuromarketing-Unternehmen der USA – Neurofocus und EmSense  – nicht den Qualitätstests unterziehen wollen. Angeblich ging es hier um Voreingenommenheit einer der Schirmherren des Projekts Duane Varan, der auch für Disney Media tätig ist. Ob dies der tatsächliche Grund ist oder ob sich die Unternehmen nur nicht so sehr in die Karten schauen lassen möchten, bleibt offen.

 

 

Lesen Sie hier ein Interview mit Dr. A.K. Pradeep zu seiner neuesten Entwicklung Mynd.

 

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